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Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis im Kompost: was 30:1 bedeutet und warum ein Eimer es nicht messen kann

Veröffentlicht am 14.7.2026 · 7 Min. Lesezeit · Alltags-Rechner

Marco Bianchi

Marco BianchiRedakteur Haus, Heimwerken & Auto bei OneKitly

Renovierung · Materialien

Anhand von 2 Quellen geprüft

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Kurz gesagt

Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis ist die Kohlenstoffmasse im Haufen geteilt durch die Stickstoffmasse, beide auf Trockenmasse bezogen, und das Ziel beim Kompostieren liegt bei etwa 25 bis 30 Teilen Kohlenstoff auf einen Teil Stickstoff. Unter rund 20:1 ist mehr Stickstoff vorhanden, als die Mikroorganismen in eigene Biomasse einbauen können, und der Überschuss entweicht als Ammoniak — das ist der Geruch eines zu grünen Haufens. Über rund 40:1 fehlt der Stickstoff, um die Population wachsen zu lassen, die den Kohlenstoff verzehren würde, und der Haufen bleibt einfach liegen. Zum Treffen des Ziels mischt man: ein Braunmaterial mit 350:1 wie Karton gegen ein Grünmaterial mit 17:1 wie Rasenschnitt. Ein durchgerechneter Haufen aus 4 kg trockenem Laub, 2 kg Rasenschnitt und 1 kg Küchenabfällen trägt 3,119 kg Kohlenstoff gegen 0,111 kg Stickstoff, also 28:1 — innerhalb des Bandes. Jede Tabelle dieser Art, auch die untenstehende, bezieht sich auf die Masse der Trockensubstanz. Niemand wiegt seinen Kompost: Der vertraute Rat, zwei Teile Braun auf einen Teil Grün zu nehmen, ist daher eine Volumenregel als Ersatz für ein Massenverhältnis — und immer nur ungefähr.

Ein Komposthaufen aus Pflanzenresten, Wurzeln und Blättern.
Robbi F · Pexels · Pexels

Ein Komposthaufen will 25 bis 30 Teile Kohlenstoff auf einen Teil Stickstoff, bezogen auf die Trockenmasse. Karton liegt bei 350:1, Rasenschnitt bei 17:1. Hier stehen die Stofftabelle, eine bis 28:1 durchgerechnete Mischung und warum die Volumenregel etwas ganz anderes misst.

Warum 30:1 und keine andere Zahl

Die Zahl kommt von den Mikroorganismen, nicht vom Gärtner. Bakterien und Pilze, die einen Haufen zersetzen, nutzen Kohlenstoff auf zwei Wegen: Der größte Teil wird zur Energiegewinnung veratmet und entweicht als Kohlendioxid, ein kleinerer Teil wird zusammen mit Stickstoff in neue Zellen eingebaut. Ihr eigenes Gewebe liegt bei etwa 8:1, und sie veratmen rund zwei Drittel des aufgenommenen Kohlenstoffs — ein Ausgangsmaterial um 25 bis 30:1 liefert also genau das Nötige, ohne nennenswerten Überschuss auf einer der beiden Seiten. Füttere sie so, und die Population wächst schnell, der Haufen erhitzt sich, und das Verhältnis sinkt während der Arbeit.

Beide Fehlerbilder erkennt man mit Nase und Hand. Zu viel Stickstoff — eine Tonne aus reinem Rasenschnitt mit 17:1 — und die Mikroorganismen können nicht alles verwerten: Der Überschuss verflüchtigt sich als Ammoniak. Das ist der stechende Geruch eines zusammengesackten, nassen grünen Haufens, und jeder Hauch davon ist Fruchtbarkeit, die den Behälter verlässt. Zu wenig Stickstoff — Laub und Karton allein, über 100:1 — und es fehlt nicht am Futter, sondern an den Arbeitern: Der Haufen bleibt kalt und rührt sich ein Jahr lang nicht. Die gute Nachricht: Beides lässt sich jederzeit beheben — fehlendes Material zugeben und umsetzen.

Eine Mischung, ganz durchgerechnet

Die Verhältnisse aus der Tabelle lassen sich nicht mitteln, und genau daran scheitern die meisten Versuche. Ein Verhältnis ist ein Quotient, und Quotienten mittelt man nicht — 60:1 und 17:1 ergeben keinen Haufen mit 38:1. Man muss den Kohlenstoff und den Stickstoff getrennt aufsummieren und erst am Ende einmal dividieren. Nimm 4 kg trockenes Laub, 2 kg Rasenschnitt und 1 kg Küchenabfälle, alles als Trockenmasse. Kohlenstoff: 4 × 45 % + 2 × 44,2 % + 1 × 43,5 % = 1,80 + 0,884 + 0,435 = 3,119 kg. Stickstoff: 4 × 0,75 % + 2 × 2,6 % + 1 × 2,9 % = 0,030 + 0,052 + 0,029 = 0,111 kg. Einmal dividieren: 3,119 ÷ 0,111 = 28:1, bequem innerhalb des Bandes.

Tausche nun eine Zutat aus und sieh der Rechnung zu. Ersetze das Laub durch dieselbe Trockenmasse Karton, die bei 350:1 statt 60:1 liegt, und die Kohlenstoffsumme steigt auf 3,139 kg, während der Stickstoff auf 0,086 kg fällt — die Mischung landet bei 36:1, außerhalb des Bandes und auf dem Weg zu einem kalten Haufen. Nichts sieht anders aus: dieselben drei Stoffe, dieselben Massen, ein ähnlich aussehender Haufen. Genau diese eine Vertauschung zeigt, warum ein in Stoffen statt in Zahlen formuliertes Rezept fragil ist, und warum es sich lohnt, die Rechnung einmal für die Mischung zu machen, die bei dir Woche für Woche wirklich anfällt.

Nach Masse, nach Volumen und je nach Nässe

Drei verschiedene Messgrößen werden hier synonym verwendet, und sie sind nicht dasselbe. Die Tabelle ist Trockenmasse. Dein Eimer ist Volumen. Was du tatsächlich zur Tonne trägst, ist Feuchtmasse, und der Wassergehalt reicht von rund 10 Prozent bei trockenem Laub bis 80 Prozent bei Rasenschnitt und Küchenabfällen. Deshalb kommen die 4 kg trockenes Laub unserer Mischung als etwa 56 Liter lockere Laubstreu an, während die 2 kg Trockenmasse Gras als 10 kg feuchter Schnitt ankommen und nur 25 Liter einnehmen. Nach Volumen liegt dieser Haufen nahe bei zwei Teilen Braun auf einen Teil Grün — also genau bei der vertrauten Faustregel, auf einem ganz anderen Weg erreicht.

Das Problem: Die Volumenregel gilt für Laub und Gras und bricht bei allem anderen still zusammen, denn Schüttdichte und Kohlenstoffgehalt schwanken unabhängig voneinander. Geschredderter Karton nimmt je Einheit Trockenmasse etwa denselben Raum ein wie lockeres Laub, trägt aber die sechsfache Kohlenstoffmenge je Einheit Stickstoff; ein Eimer Sägemehl wiegt ein Vielfaches eines Eimers Laub und ist obendrein kohlenstoffreich. Nutze die Volumenregel also als Standard, solange deine Braunstoffe Laub und deine Grünstoffe Rasenschnitt und Küchenabfälle sind, und rechne nach Masse, sobald Karton, Sägemehl, Häcksel oder Mist dazukommen. In jedem Fall gilt: Behandle das Verhältnis als Startbedingung, nicht als Spezifikation. Der Haufen ist das Messgerät, und Wärme, Geruch und Struktur sagen dir binnen einer Woche, ob die Mischung stimmte.

Stickstoff, % der Trockenmasse
Typische Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnisse, bezogen auf die Trockenmasse
MaterialBraun oder grünTypisches C/NStickstoff, % der Trockenmasse
HolzhäckselBraun400:10,11 %
Karton, unbeschichtetBraun350:10,13 %
Sägemehl, unbehandeltBraun325:10,14 %
ZeitungspapierBraun175:10,26 %
StrohBraun75:10,6 %
Trockenes HerbstlaubBraun60:10,75 %
KaffeesatzGrün20:12,1 %
RindermistGrün19:12,4 %
Frischer RasenschnittGrün17:12,6 %
Obst- und GemüseresteGrün15:12,9 %
HühnermistGrün10:14,5 %
Kompost-Rechner (C:N-Verhältnis)Misch Grünes und Braunes und erhalte das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis deines Haufens — mit Tipps für die idealen 25–30:1.Tool ausprobieren

Häufige Fragen

Reichen zwei Teile Braun auf einen Teil Grün?
Bei Laub und Rasenabfall ja — das trifft nahe genug am Ziel, damit der Haufen arbeitet, und unsere durchgerechnete 28:1-Mischung entspricht dem volumenmäßig ungefähr. Was die Regel nicht übersteht, ist ein Wechsel des Braunmaterials. Karton, Sägemehl und Häcksel liegen alle zwischen 325:1 und 400:1 gegenüber Laub mit 60:1: Zwei Eimer davon liefern ein Vielfaches des Kohlenstoffs von zwei Eimern Laub, und der Haufen wird kalt. Sind deine Braunstoffe holzig oder papiern, halbiere sie gegenüber den Grünstoffen und beobachte den Haufen zwei Wochen lang — oder rechne einmal nach Masse und schreibe das Rezept auf.
Ist Kaffeesatz braun oder grün?
Grün, trotz der Farbe, und das ist der klarste Beleg dafür, dass braun und grün Spitznamen sind und keine Kategorien. Kaffeesatz liegt bei etwa 20:1 mit 2,1 Prozent Stickstoff in der Trockenmasse, was ihn in dieselbe Klasse wie Mist und Rasenschnitt stellt, weit weg von Laub mit 60:1. Die Farbwörter sind ein grober Ersatz für die Frage, ob ein Material kürzlich lebendig und feucht war — grün — oder tot, trocken und strukturgebend — braun. Wo dieser Ersatz versagt, und Kaffee ist das Standardbeispiel, vertraue der Zahl. Frisches Unkraut, Biertreber und Gemüseschalen sind aus demselben Grund grün.
Ändert sich das Verhältnis, während der Haufen arbeitet?
Ja, und nur in eine Richtung. Kohlenstoff verlässt den Haufen als Kohlendioxid, sooft ein Mikroorganismus atmet, während Stickstoff weitgehend in der Biomasse gebunden bleibt — das Verhältnis sinkt also stetig, während die Zersetzung fortschreitet. Ein Ausgangsmaterial mit 28:1 endet typischerweise zwischen 10:1 und 15:1, nahe am Verhältnis des Bodens, in den es kommt, weshalb reifer Kompost als Bodenverbesserer und nicht als Stickstoffsenke wirkt. Das erklärt auch eine klassische Enttäuschung: frisches holziges Material mit 300:1 direkt eingegraben leiht sich den Stickstoff für die Zersetzung aus dem Boden, und die Pflanzen vergilben. Kompostiere es erst, oder lass es als Mulch obenauf, wo es weit weniger Boden berührt.

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