Wie viel Holz ein Projekt braucht — und warum das Nennmaß nicht das Istmaß ist
Veröffentlicht am 11.8.2026 · 11 Min. Lesezeit · Immobilien-Rechner
Marco Bianchi — Redakteur Haus, Heimwerken & Auto bei Allin
Renovierung · Materialien
Anhand von 3 Quellen geprüft
Zähl Stücke, nicht Volumen. Für eine Terrasse von 4,88 × 3,66 m (16 × 12 Fuß), Dielen 5/4×6 auf Balken 2×8 im Abstand 40,6 cm mit 6 mm Fuge, liefert der Rechner bei 10 % Verschnitt 29 Dielen zu 4,88 m, 15 Balken zu 3,66 m und 3 Randbalken: 47 Stück, 210,9 m Gesamtlänge, 0,9894 m³ echtes Holz. Ohne Verschnitt wären es 26, 13 und 2. Auf den Lkw kommen Stücke, keine Kubikmeter. Achtung: dieser Rechner arbeitet AUSSCHLIESSLICH in Zoll und Fuß — er hat keinen metrischen Modus, anders als der Board-Foot-Rechner. Wer 45 × 95 eintippt und Millimeter meint, bekommt Zoll gelesen und 10 687 Board Feet zurück. Also vorher umrechnen: 1 ft = 0,3048 m, 1 in = 25,4 mm, 1 m³ = 424 Board Feet. Das nordamerikanische Nennmaß (ein 2×4) ist das Maß von frischem, sägerauem Holz: nach Trocknung und Hobeln bleiben 38 × 89 mm, abgerechnet wird trotzdem nach Nennmaß — 34,4 % der bezahlten Menge sind als Späne und Wasser weggegangen. In Deutschland stellt sich die Frage anders: ein als 45 × 95 mm angebotener Querschnitt misst 45 × 95 mm, und was sich bewegt, ist die Holzfeuchte, nicht der Hobel.

Erst Stücke zählen, dann Meter, dann Volumen. Ein Querschnitt wird nach drei verschiedenen Maßen verkauft, berechnet und verbaut. Zahlen aus der echten Ausgabe des Rechners, samt der Verschnittregel, die er wirklich anwendet.
Erst die Stücke, das Volumen zuletzt
Ein Händler verkauft Stücke einer bestimmten Länge. Er verkauft keine 0,99 m³. Der einzige Wert, der die Fahrt in einem Rutsch beendet, ist deshalb eine Liste wie „29 Dielen 5/4×6 zu 4,88 m, 15 Balken 2×8 zu 3,66 m, 3 Balken 2×8 zu 4,88 m“ — genau die Stückliste, die der Rechner unter den Summen ausgibt. Das Volumen dient zur Gegenprobe und zum Preisvergleich, nie zur Bestellung.
Der Rechner hat zwei Modi. „Stücke“ ist für den Fall, dass du schon weißt, was du brauchst: Querschnitt, Länge, Menge, Verschnitt. „Projekt“ leitet die Liste aus vier Formen ab — Terrasse, Zaun, Regal, Ständerwand. Im Projektmodus steckt die Rechnerei, und es lohnt sich zu wissen, was er annimmt. Für eine Terrasse legt er die Dielen quer zur Breite (Reihen = Aufrunden von Breite × 12 / (ISTBREITE der Diele + Fuge)), setzt die Balken im gewählten Abstand über die Länge (Abrunden von Länge × 12 / Abstand, plus eins) und ergänzt genau zwei Randbalken. Für eine Wand zählt er Abrunden von Länge × 12 / Abstand, plus einen Ständer, plus drei für Ecken und Enden und vier weitere je Öffnung, dazu drei Schwellen/Rähme und eine Reihe Querriegel.
Zwei Dinge tut diese Rechnung nicht: Sie verlegt Dielen nie diagonal, und sie berücksichtigt nie eine Treppe, eine Pfostendurchdringung oder einen Erker. Genau dafür ist der Verschnittzuschlag da.
Nennmaß, Istmaß, Rechnungsmaß: drei Maße für ein Brett
Ein 2×4 misst nicht zwei mal vier Zoll. Es misst 1½ × 3½ Zoll — 38,1 × 88,9 mm — sobald es getrocknet und vierseitig gehobelt ist. Das ist keine Freiheit des Händlers, sondern steht in PS 20, dem American Softwood Lumber Standard, den das NIST herausgibt und den der Rechner wörtlich umsetzt. Die Regel hat vier Zweige: Bretter unter 2 Zoll Nenndicke verlieren ¼ Zoll, Bauholz von 2 bis 4 Zoll verliert ½ Zoll, Breiten unter 7 Zoll verlieren ½ Zoll, ab 7 Zoll dagegen ¾ Zoll, und Kanthölzer mit kleinstem Nennmaß ab 5 Zoll verlieren in beide Richtungen ½ Zoll. Deshalb ist ein 2×8 gleich 1½ × 7¼ und ein 6×6 gleich 5½ × 5½.
Wo es weh tut: Das Board Foot wird nach dem Nennmaß berechnet, die Tragfähigkeit steckt im Istmaß. Ein 2×4 wird mit 2 × 4 × 1 / 12 = 0,6667 BF je Fuß abgerechnet. Geliefert wird Holz im Wert von 1,5 × 3,5 × 12 / 144 = 0,4375 BF je Fuß. Du zahlst 34,4 % mehr Holz, als ankommt. Und der Balken, den du gleich auflegst, trägt das, was ein Querschnitt von 38 × 89 mm trägt — das Flächenträgheitsmoment des ISTQUERSCHNITTS, und genau das will ein Balkenrechner. Gib ihm das Nennmaß eines 2×10, und du überschätzt die Steifigkeit um 80 %; gib ihm das echte, 38 × 235 mm, und du bekommst 98,9 in⁴, die ehrliche Zahl.
Der Rechner gibt beides aus, und genau darum benutzt man ihn: Die Board-Foot-Spalte ist nominal, die Volumenspalte daneben rechnet mit dem Istquerschnitt. Bei der Terrasse 4,88 × 3,66 m entsprechen 594,00 abgerechnete Board Feet 0,9894 m³ Holz auf dem Lkw. Multiplizier die Board Feet mit 0,00236 und du bekommst 1,402 m³ — das Volumen, das du bezahlst. Die Differenz von 0,41 m³ gehört der Hobelmaschine.
Verschnitt: 10 % sind eine Untergrenze, und der Rechner rundet jede Zeile auf
Zehn Prozent kostet ein gerades, rechteckiges, ebenerdiges Bauteil an Verschnitt. Alles, was davon abweicht, kostet mehr: 15 % für diagonal verlegte Dielen oder einen Raum, der nicht rechtwinklig ist, 15 bis 20 % für einen Zaun im unebenen Gelände, und noch mehr für kurze Stücke aus langer Ware. Der Grund ist geometrisch, nicht schlampig: Verschnitt ist das Reststück, das nirgendwo sonst passt, und ein Bauteil aus vielen kurzen Gliedern erzeugt mehr davon als eines aus wenigen langen.
Wie der Rechner ihn anwendet, lohnt einen Blick, denn es ist nicht, was man annimmt. Der Prozentsatz wird auf jede Zeile der Stückliste einzeln angewandt, und jede Zeile wird danach auf ganze Stücke aufgerundet. Bei einer großen Zeile ist das richtig, bei einer kleinen brutal. Bei der Terrasse 4,88 × 3,66 m werden aus 26 Dielen 29 und aus 13 Balken 15 — stimmig. Aber aus 2 Randbalken werden 3, also 50 % zu viel, und bei der Ständerwand wird aus der einzigen Riegelreihe 2, also 100 % zu viel. Lies die Stückliste zeilenweise und kürze die kleinen Zeilen von Hand.
Die andere Hälfte der Verschnittfrage ist die Handelslänge. Der Rechner nennt dir die nötige Länge jedes Stücks; er rundet sie nicht auf eine Länge auf, die der Händler führt. Ein 3,20-m-Sparren kommt aus einer 4-m-Stange, und 0,80 m wandern in den Container: 20 % Verlust auf dieser Zeile, bevor du überhaupt falsch gesägt hast. Stell die Schnittliste gegen die tatsächlich geführten Längen und wähl die, die den kürzesten Rest lässt.
Was man in Europa tatsächlich kauft
Der Bauholz-Rechner ist rein imperial. Er hat keinen metrischen Modus — der Board-Foot-Rechner hat einen, der Bewehrungsrechner auch, dieser nicht, und zwar in keiner der sechs Sprachen. Wer 45 × 95 eintippt und Millimeter meint, bekommt Zoll gelesen und 10 687,50 Board Feet für zehn Stück zurück, worauf der Rechner brav den PS-20-Hobelabzug anwendet und ein „Istmaß“ von 44,5 × 94,5 ausgibt. Vorher umrechnen — oder gleich den Board-Foot-Rechner nehmen, der Millimeter und Meter direkt annimmt.
Der Kern der Sache: Außerhalb Nordamerikas stellt sich das Nenn-/Istmaß-Problem gar nicht in dieser Form. Ein europäischer Querschnitt, der als 45 × 95 mm angeboten wird, misst 45 × 95 mm — die Zahl auf dem Etikett ist die Zahl am Zollstock. Maße und zulässige Abweichungen für Konstruktionsholz regeln EN 336 und EN 1313, beide kostenpflichtig; dieser Artikel beschreibt, was Händler führen, nicht den Wortlaut der Normen, den wir nicht gelesen haben. Was sich bewegt, ist die Holzfeuchte: Konstruktionsholz wird auf eine Bezugsfeuchte bezogen, und ein feuchter oder trockener gemessener Querschnitt ist gequollen oder geschwunden. Das sind ein bis zwei Millimeter auf einer 45-mm-Fläche, nicht die 12 mm, die der Hobel einem nordamerikanischen 2× abnimmt.
Auch die Preisbasis unterscheidet sich, und der Rechner geht nicht mit. Sein Preisfeld bietet drei Modi — je Board Foot, je laufendem Fuß, je Stück — und keinen Modus je Kubikmeter, obwohl Konstruktionsquerschnitte in weiten Teilen Europas genau so kalkuliert werden. Latten und gehobelte Ware gehen meist nach laufendem Meter, was der Modus „je laufendem Fuß“ annähert, wenn du deinen Meterpreis durch 3,281 teilst. Für alles, was nach Kubikmeter kalkuliert wird, nimm das Volumen, das der Rechner in m³ ausgibt, und multipliziere selbst: bei der Terrasse oben sind das 0,9894 m³, also 643 € bei 650 € je Kubikmeter.
Drei Gegenproben vor der Bestellung
Erstens: Lässt sich die Stückzahl sauber durch eine tatsächlich erhältliche Handelslänge teilen? Vierundvierzig 2×4 zu 8 ft sind vierundvierzig Stangen; zweiundzwanzig 16-ft-Stangen, halbiert, sind dasselbe Holz mit halb so viel Handling und meist besserem Meterpreis. Diesen Tausch schlägt der Rechner nie vor.
Zweitens: Trägt irgendein Glied in der Liste Last? Dielen, Latten, Auflagerleisten und Riegel nicht. Balken, Sparren, Stürze, Unterzüge und Stiele schon — und dort muss der Querschnitt gegen die Spannweite geprüft und nicht aus einer Tabelle aus dem Netz gegriffen werden. Trag die ISTMASSE — 38 × 235 mm für ein 2×10 — in den Balkenlastrechner ein und sieh dir die Durchbiegung an, denn die versagt bei einer Decke zuerst.
Drittens: Passt das Volumen zum Angebot? Ein Kubikmeter luftgetrocknetes Nadelholz wiegt grob 450 bis 550 kg. Wenn der Rechner 0,99 m³ ausgibt und das Angebot von vier Tonnen Holz spricht, irrt sich einer von beiden — und man will wissen, welcher, bevor der Lkw kommt.
| Nennmaß | Istmaß (Zoll) | Istmaß (mm) | Abgerechnete BF je Fuß | Echte BF je Fuß | Durch Hobeln verloren |
|---|---|---|---|---|---|
| 1×4 | 0,75 × 3,5 | 19,0 × 88,9 | 0,3333 | 0,2188 | 34,4 % |
| 1×6 | 0,75 × 5,5 | 19,0 × 139,7 | 0,5000 | 0,3438 | 31,3 % |
| 1×8 | 0,75 × 7,25 | 19,0 × 184,1 | 0,6667 | 0,4531 | 32,0 % |
| 2×4 | 1,5 × 3,5 | 38,1 × 88,9 | 0,6667 | 0,4375 | 34,4 % |
| 2×6 | 1,5 × 5,5 | 38,1 × 139,7 | 1,0000 | 0,6875 | 31,3 % |
| 2×8 | 1,5 × 7,25 | 38,1 × 184,1 | 1,3333 | 0,9063 | 32,0 % |
| 2×10 | 1,5 × 9,25 | 38,1 × 234,9 | 1,6667 | 1,1563 | 30,6 % |
| 4×4 | 3,5 × 3,5 | 88,9 × 88,9 | 1,3333 | 1,0208 | 23,4 % |
| 6×6 | 5,5 × 5,5 | 139,7 × 139,7 | 3,0000 | 2,5208 | 16,0 % |
Häufige Fragen
- Warum misst ein 2×4 nicht zwei mal vier Zoll?
- Weil das Nennmaß das Maß des Stücks beim Verlassen des Sägegatters ist — frisch und sägerau. Die Trocknung lässt es schwinden, das vierseitige Hobeln nimmt weiter ab. PS 20 legt fest, was übrig bleibt: Bauholz von 2 bis 4 Zoll Nenndicke verliert ½ Zoll, aus 2 wird also 1½ und aus 4 wird 3½. Der Name hat den Vorgang überlebt. Ein 2×4 misst 1½ × 3½, seit länger als irgendjemand, der das hier liest, Holz kauft, und sämtliche nordamerikanischen Spannweitentabellen, Balkenschuhe und Normvorgaben setzen das bereits voraus.
- Werde ich übervorteilt, wenn Board Feet nach dem Nennmaß abgerechnet werden?
- Nein — du wirst konsistent abgerechnet, und das ist etwas anderes. Jedes Sägewerk und jeder Händler in Nordamerika kalkuliert nach dem Nennmaß, der Vergleich zweier Angebote ist also fair. Was die Nennzahl nicht sagt, ist, wie viel Holz du bekommst — und da führt sie in die Irre. Vergleichst du ein nordamerikanisches Angebot in Board Feet mit einem europäischen in Kubikmetern, rechne über den ISTQUERSCHNITT um, nicht über das Nennmaß, sonst zahlst du rund 30 % zu viel. Genau dafür stellt der Rechner beide Zahlen nebeneinander.
- Wie viel Verschnitt soll ich wirklich zugeben?
- Zehn Prozent bei einem rechteckigen, ebenerdigen Bauteil mit langen Läufen. Fünfzehn bei diagonal verlegten Dielen, einem nicht rechtwinkligen Raum oder einem Zaun im Gelände. Zwanzig, wenn die Glieder im Verhältnis zur Handelslänge kurz sind, denn jeder Schnitt lässt einen Rest. Rechne die Stücke, die du ruinieren wirst, gesondert dazu: bei der ersten Terrasse zwei oder drei Dielen. Und denk daran, dass der Rechner deinen Prozentsatz auf jede Zeile einzeln anwendet und aufrundet — eine Zeile mit zwei Stücken trägt bereits 50 % Puffer, da muss nichts mehr drauf.
- Kann ich Millimeter eingeben?
- In diesem Rechner nicht. Der Bauholz-Rechner ist rein imperial — Dicke und Breite in Zoll, Länge in Fuß — und hat in keiner Sprache eine Einheitenumschaltung. Wer 45 × 95 eingibt, gibt 45 × 95 Zoll ein, und das Werkzeug wendet darauf die PS-20-Hobelregel an, sodass ein plausibel aussehendes, aber sinnloses „Istmaß“ von 44,5 × 94,5 herauskommt. Wenn du Millimeter brauchst, nimm den Board-Foot-Rechner, der einen Millimeter/Meter-Modus hat, und rechne mit 1 in = 25,4 mm und 1 ft = 0,3048 m um.
- Welche Zahl nehme ich zum Händler mit: Stück, Meter oder Volumen?
- Stücke, mit Querschnitt und Länge — das wird kommissioniert und verladen, und nur in dieser Form fällt ein Fehler schon am Tresen auf. Die Laufmeter sind die Gegenprobe: durch die Handelslänge geteilt solltest du ungefähr auf deine Stückzahl kommen. Das Board Foot ist die Preisbasis für Laubholz und alles sägeraue Material; frag, auf welcher Basis das Angebot steht, denn ein Preis je Board Foot und ein Preis je Stück sind erst vergleichbar, wenn die Länge bekannt ist. Für eine Bestellung nach Kubikmetern nimm das Volumen, das der Rechner ausgibt — das ist das echte, gehobelte Volumen, nicht das nominale.
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Das sind Materialschätzungen, die durch Ausführen des Rechners entstanden sind — keine Massenermittlung und kein Ersatz für das Aufmaß eines Händlers. Die Mengen setzen ein rechteckiges, hindernisfreies Bauteil voraus: jede Ecke, jede Öffnung, jede Rundung und jeder Höhensprung fügt Stücke hinzu, die der Rechner nicht sieht. Querschnitte, Handelslängen und Sortierregeln unterscheiden sich je nach Land und Händler — prüf also den Querschnitt und die Länge, die dein Lieferant wirklich führt, bevor du bestellst. Miss die Baustelle selbst, zweimal, bevor du auf Basis der Zahlen dieser Seite Geld ausgibst.
Quellen
- NIST — Voluntary Product Standard PS 20-20, American Softwood Lumber Standard — the surfaced-dry size table the calculator implements
- USDA Forest Service, Forest Products Laboratory — Wood Handbook: Wood as an Engineering Material (FPL-GTR-190) — shrinkage, moisture content and species density
- American Wood Council — Tutorial for Understanding Loads and Using Span Tables — how a section becomes a span
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