Freelancer-Stundensatz festlegen, der dich wirklich bezahlt
Veröffentlicht am 29.12.2025 · 3 Min. Lesezeit · Finanz-Rechner
Camille Laurent — Redakteurin Finanzen bei OneKitly
Steuern · Privatfinanzen
Anhand von 2 Quellen geprüft
Um einen Freelancer-Stundensatz festzulegen, gehe vom gewünschten Jahreseinkommen aus, addiere deine Kosten sowie Steuern und Sozialleistungen, die ein Arbeitgeber sonst trägt, und teile durch die real abrechenbaren Stunden — nicht ein volles Jahr mit 1.700 Stunden. Willst du 40.000 € netto, addiere rund 20.000 € für Steuern, Versicherung und Ausgaben auf 60.000 € und teile durch etwa 1.100 abrechenbare Stunden (nicht 1.700, da Verwaltung, Akquise und Urlaub nicht abrechenbar sind). Das ergibt etwa 55 € pro Stunde. Zu niedrige Sätze entstehen meist durch Teilen durch zu viele Stunden und Ignorieren der Kosten.
Setze einen Freelancer-Satz aus Zielgehalt, echten abrechenbaren Stunden und Kosten — damit du dich nicht unter Wert verkaufst.
Warum ein Freelancer-Satz kein Gehalt ist
Der teuerste Freelancer-Fehler ist, das Wunschgehalt durch 1.700 Stunden (rund 40 Std. × 43 Arbeitswochen) zu teilen. Diese Zahl unterstellt, dass jede Arbeitsstunde bezahlt wird, doch Freelancer verbringen viel Zeit mit Akquise, Rechnungen, Verwaltung und unbezahlten Lücken zwischen Aufträgen. Ein realistisch abrechenbares Jahr liegt oft eher bei 1.000 bis 1.200 Stunden.
Du trägst zudem Kosten, die ein Arbeitgeber übernimmt: Selbstständigen- bzw. Sozialabgaben, Kranken- und Haftpflichtversicherung, Software, Ausrüstung, Altersvorsorge und den bezahlten Urlaub, den du nun selbst finanzierst. All das muss in den Satz eingerechnet sein, nicht aus dem Rest bezahlt werden.
Den Satz von Grund auf aufbauen
Beginne mit dem gewünschten Nettoeinkommen — sagen wir 40.000 €. Addiere Abgaben und selbst finanzierte Leistungen (oft 25 bis 40 % des Einkommens) und direkte Kosten, vielleicht 20.000 €, für ein Ziel von 60.000 €. Teile nun durch die real abrechenbaren Stunden: 1.100 ergibt 60.000 € ÷ 1.100 ≈ 55 € pro Stunde. Das ist dein Boden, nicht deine Decke.
Prüfe dann gegen den Markt. Verlangen vergleichbare Freelancer in deinem Feld und deiner Region mehr, erhöhe deinen Satz — ein sehr niedriger Preis wirkt oft als Warnzeichen. Verlangen sie weniger, schärfe eher deine Positionierung, statt einfach zu unterbieten. Dein berechneter Boden nennt den Preis, unter dem sich die Arbeit nicht lohnt.
Stundensatz, Tagessatz oder Festpreis?
Der Stundensatz ist dein Baustein, aber du musst nicht stundenweise abrechnen. Ein Tagessatz (etwa Stundensatz × abrechenbare Stunden pro Tag) ist bei längeren Aufträgen sauberer. Festpreise belohnen Effizienz: lieferst du schneller als geschätzt, steigt dein effektiver Stundensatz — doch du trägst das Risiko bei Überschreitung.
Welches Modell auch immer — überprüfe deinen Satz mindestens einmal im Jahr. Mit wachsenden Fähigkeiten, Portfolio und Nachfrage sollte der Satz mitwachsen. Viele Freelancer stagnieren, weil sie jahrelang einen Anfangssatz halten und real weniger verdienen, während ihre Kosten steigen.
Mit unserem eigenen Rechner durchgerechnet
Freelancer-Tagessatz-Rechner
Eingaben
- Ziel-Nettoeinkommen / Jahr
- 20.000,00 €
- Fakturierbare Tage / Jahr
- 90
- Abgaben & Steuern (%)
- 23
Ergebnis
- Zu fakturierender Tagessatz
- 288,60 €
Diese Zahlen stammen aus dem Rechner unten, sie sind nicht von Hand eingetragen — sie werden bei jeder Änderung des Tools neu berechnet.
Mit eigenen Zahlen nachrechnen →Häufige Fragen
- Wie viele abrechenbare Stunden kann ein Freelancer realistisch erwarten?
- Oft 50 bis 70 % der Arbeitsstunden, weil Akquise, Verwaltung und Lücken den Rest fressen. Viele Vollzeit-Freelancer rechnen rund 1.000 bis 1.200 Stunden pro Jahr ab statt theoretischer 1.700.
- Sollte ich mehr verlangen, als mein früheres Gehalt nahelegt?
- Fast immer ja. Ein Freelancer-Satz muss Abgaben, Versicherung, Vorsorge und unbezahlte Zeit decken, die früher der Arbeitgeber trug. Eine gängige Regel: deutlich über dem einfachen Stundenäquivalent deines alten Gehalts zielen, oft 25 bis 50 %.
- Wie berücksichtige ich Steuern beim Festlegen des Satzes?
- Rechne sie von Anfang an ein. Schätze Einkommensteuer und Selbstständigen- bzw. Sozialabgaben, addiere sie zum Ziel und teile durch abrechenbare Stunden — so deckt der Satz bereits, was du schuldest. Lege den Steueranteil jeder Rechnung sofort beiseite.
- Wie oft sollte ich meinen Freelancer-Satz erhöhen?
- Überprüfe ihn mindestens jährlich. Wenn Fähigkeiten, Portfolio und Nachfrage wachsen — und die Kosten mit der Inflation steigen — bedeutet ein starrer Satz real weniger Lohn. Zuerst bei neuen Kunden zu erhöhen, ist ein einfacher Markttest.
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Quellen
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