Wie du deinen Liquidationspreis bei einer gehebelten Position berechnest
Veröffentlicht am 1.4.2026 · 4 Min. Lesezeit · Finanz-Rechner
Camille Laurent — Redakteurin Finanzen bei OneKitly
Steuern · Privatfinanzen
Anhand von 2 Quellen geprüft
Für eine Long-Position mit isolierter Margin gilt: Liquidationspreis = Einstiegspreis × (1 − 1 ÷ Hebel + Erhaltungsmargensatz). Eine Long-Position, bei 30 000 € mit 10x Hebel und 0,5 Prozent Erhaltungsmarge eröffnet, wird bei 30 000 × (1 − 0,1 + 0,005) = 27 150 € liquidiert; ein Rückgang von 9,5 Prozent beendet sie also. Bei einer Short-Position dreht sich das Vorzeichen: Einstieg × (1 + 1 ÷ Hebel − Erhaltungsmarge), also 32 850 € bei denselben Zahlen. Die praktische Abkürzung: 1 ÷ Hebel ist die prozentuale Bewegung, die dich ruiniert — 20 Prozent bei 5x, 10 bei 10x, 5 bei 20x, 1 bei 100x — vor Finanzierungsgebühren und Erhaltungsmarge, die es stets etwas schlechter machen.
Der Liquidationspreis folgt direkt aus dem Hebel: Bei 10x löscht eine Bewegung von 10 Prozent die Position aus. Hier die Formel, die Erhaltungsmarge, die ihn näher rückt, und wie du die Zahl vor dem Einstieg liest.
Woher die Formel stammt
Ein Hebel von 10x bedeutet, dass dein eigenes Geld ein Zehntel der Position deckt. Anders gesagt: Die Position darf ein Zehntel ihres Werts verlieren, bevor die Margin weg ist — genau eine ungünstige Bewegung von 10 Prozent. Der Term 1 ÷ Hebel ist nichts anderes als dieser Anteil, alles Übrige in der Formel ist eine Korrektur daran.
Die Erhaltungsmarge ist das Polster, das die Börse dich nicht ausgeben lässt, weil das Schließen einer Position Zeit und Slippage kostet. Deshalb greift die Liquidation etwas früher, als die Margin tatsächlich null erreicht — bei 10x und 0,5 Prozent Erhaltungssatz schon bei 9,5 statt 10 Prozent Gegenbewegung. Bei einem kleinen, illiquiden Paar mit 2 Prozent Erhaltungssatz liquidiert 10x bereits bei 8 Prozent.
Isolierte und übergreifende Margin liquidieren nicht am selben Punkt
Bei isolierter Margin kann nur die dieser Position zugewiesene Margin verloren gehen, und die obige Formel gilt unmittelbar. Bei übergreifender Margin haftet dein gesamtes Kontoguthaben für die Position, der Liquidationspreis rückt also weit weg — doch ein einziger Fehltrade kann jetzt alles mitnehmen, auch die Mittel, die du für andere Positionen reserviert glaubtest.
Margin nachzuschießen rückt den Liquidationspreis weg, ebenso das Verkleinern der Position. Beides ändert die Arithmetik nicht — beides senkt lediglich den effektiven Hebel, die einzige Größe, von der der Liquidationspreis wirklich abhängt.
Warum hoher Hebel schon an der Volatilität scheitert
Bei 100x liquidiert eine Bewegung von 1 Prozent. Große Krypto-Paare schwanken routinemäßig binnen einer Stunde stärker; eine Position mit diesem Hebel ist also gar keine Richtungswette, sondern die Wette, dass gewöhnliches Rauschen einen ein Prozent entfernten Preis nicht berührt — was es meist doch tut. Die Richtung kann stimmen und die Position trotzdem weg sein, bevor die Bewegung eintritt.
Aufsichtsbehörden kamen für Privatanlegerprodukte zum selben Schluss. 2018 begrenzte die europäische Wertpapieraufsicht den Hebel bei Differenzkontrakten für Privatkunden auf 30:1 bei großen Währungspaaren und 2:1 bei Krypto — genau weil Privatkonten mit hohem Hebel durch normale Kursbewegungen glattgestellt wurden. Krypto-Derivateplätze außerhalb dieses Rahmens werben weiter mit 100x und mehr.
Mit unserem eigenen Rechner durchgerechnet
Liquidationspreis-Rechner
Eingaben
- Einstiegspreis
- 30.000,00 €
- Hebel (x)
- 5
- Position
- Long
- Maintenance-Margin (%)
- 0,5
Ergebnis
- Liquidationspreis
- 24.150,00 €
- Bewegung bis Liquidation
- 19,5 %
Diese Zahlen stammen aus dem Rechner unten, sie sind nicht von Hand eingetragen — sie werden bei jeder Änderung des Tools neu berechnet.
Mit eigenen Zahlen nachrechnen →Häufige Fragen
- Schützt mich ein Stop-Loss vor der Liquidation?
- Nur wenn er zuerst auslöst. Ein Stop deutlich innerhalb des Liquidationspreises schließt die Position zu deinen Bedingungen und mit einem selbst gewählten Verlust. Ein Stop dahinter löst nie aus, weil die Börse liquidiert, bevor der Markt dein Niveau erreicht. Setze den Stop aus deinem Risikobudget und prüfe dann, dass er innerhalb des Liquidationspreises liegt — nicht umgekehrt.
- Kann ich mehr als meine Margin verlieren?
- Bei den meisten Krypto-Plätzen nein, weil ein Versicherungsfonds die Lücke auffängt, wenn die Liquidation nicht zum erwarteten Preis schließen kann. Bei extremen Bewegungen kann dieser Fonds erschöpft sein, und manche Plattformen ziehen dann einen Teil der Gewinne erfolgreicher Trader ein. Lies vor dem Hebeln die Regel deiner Plattform, denn sie unterscheidet sich.
- Warum wurde ich zu einem Kurs liquidiert, den der Chart nie erreichte?
- Weil die Liquidation meist von einem Markpreis ausgelöst wird, einem über mehrere Börsen gemittelten Index, und nicht vom letzten Trade im betrachteten Chart. Der Markpreis soll verhindern, dass ein kurzer Docht an einer einzigen Börse alle liquidiert — er bedeutet aber auch, dass die Kerze deiner Börse nicht maßgeblich ist.
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Dieser Artikel erklärt, wie eine Berechnung funktioniert. Er ist keine Anlageberatung. Gehebelter Handel und Mining können mehr kosten als den Einsatz, und vergangene Ergebnisse sagen nichts über künftige.
Quellen
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