Positionsgröße: Was die 1-Prozent-Regel wirklich begrenzt
Veröffentlicht am 2.4.2026 · 4 Min. Lesezeit · Finanz-Rechner
Camille Laurent — Redakteurin Finanzen bei OneKitly
Steuern · Privatfinanzen
Anhand von 2 Quellen geprüft
Positionsgröße = (Kontoguthaben × Risikoprozentsatz) ÷ (Einstiegspreis − Stoppreis). Bei einem Konto von 10 000 € und 1 Prozent Risiko beträgt das Budget 100 €; kauft man zu 50 € mit Stop bei 47 €, riskiert man 3 € je Einheit, die Position ist also 100 ÷ 3 = 33 Einheiten, mithin 1 650 € Exponierung. Beachte: Die Regel deckelt den Verlust bei 100 €, nicht die Position bei 100 € — die Exponierung ist sechzehnmal größer als das Risiko. Der Sinn von 1 Prozent ist das Überstehen von Verlustserien: Zehn Verluste in Folge kosten 0,99^10, also 9,6 Prozent Rückgang, dieselbe Serie bei 2 Prozent je Trade dagegen 18,3 Prozent — was 22 Prozent Gewinn zur Erholung braucht statt 10,6.
Die Regel begrenzt den Verlust, nicht die Position. Hier die Formel, ein Rechenbeispiel und was eine Serie von zehn Verlusten bei 1 gegenüber 2 Prozent kostet.
Die Formel und der Fehler, den sie verhindert
Drei Größen bestimmen die Positionsgröße: das Konto, der Prozentsatz, den du zu verlieren bereit bist, und der Abstand von Einstieg zu Stop. Den Abstand lassen die meisten weg. Zwei gleich große Trades können völlig unterschiedliches Risiko tragen, wenn der eine den Stop 1 Prozent und der andere 10 Prozent entfernt hat — nach investiertem Betrag statt nach Stopabstand zu dimensionieren erzeugt ein Portfolio, dessen Risiko niemand beziffern kann.
Setze den Stop nach dem Chart, dort wo die Idee widerlegt wäre, und lass die Positionsgröße aus der Rechnung folgen. Umgekehrt vorzugehen — eine gefällige Größe wählen und den Stop dann passend legen — macht die Regel zur Dekoration.
Warum Rückgänge asymmetrisch sind
Ein Verlust von 50 Prozent verlangt 100 Prozent Gewinn zur Rückkehr, weil der Gewinn auf kleinerer Basis rechnet. Die Tabelle oben zeigt, wie schnell das greift: Bei 5 Prozent Risiko je Trade kosten zehn Verluste 40 Prozent des Kontos und brauchen 67 Prozent zur Erholung; bei 10 Prozent Risiko kostet dieselbe Serie 65 Prozent und braucht 186. Zehn Verluste in Folge sind nichts Exotisches — eine Strategie mit 60 Prozent Trefferquote erzeugt eine solche noch etwa alle zehntausend Trades, und die meisten gewinnen deutlich seltener.
Diese Asymmetrie ist das gesamte Argument für kleine Positionen. Es geht nicht um Vorsicht als Selbstzweck, sondern um die Einsicht, dass eine Strategie mit echtem Vorteil noch am Leben sein muss, wenn der Vorteil eintritt — und ein Rückgang von 65 Prozent macht das rechnerisch weit schwerer.
Hebel, Korrelation und die zwei Lecks der Regel
Die Regel übersteht den Hebel, solange der Stop hält: Der Hebel ändert das gebundene Kapital, nicht den Verlust, denn der Verlust ergibt sich aus dem Stopabstand. Sie bricht, wenn der Markt über den Stop hinweg springt — genau das passiert nachts, an Wochenenden und bei Nachrichten. Ein Stop ist ein Auftrag, keine Garantie.
Das zweite Leck ist Korrelation. Fünf getrennte 1-Prozent-Positionen in Werten, die sich gemeinsam bewegen, sind eine 5-Prozent-Position unter fünf Namen. Zähle dein Risiko nach dem, was sich wirklich unabhängig bewegt, nicht nach der Zahl der Orders, und deckle auch das gesamte offene Risiko, nicht nur das je Trade.
| Risiko je Trade | Rückgang nach 10 Verlusten | Nötiger Erholungsgewinn |
|---|---|---|
| 0,5 % | 4,9 % | 5,1 % |
| 1 % | 9,6 % | 10,6 % |
| 2 % | 18,3 % | 22,4 % |
| 5 % | 40,1 % | 67,0 % |
| 10 % | 65,1 % | 186,8 % |
Mit unserem eigenen Rechner durchgerechnet
Positionsgrößen-Rechner
Eingaben
- Kontogröße
- 10.000,00 €
- Risiko pro Trade (%)
- 2
- Einstiegspreis
- 50,00 €
- Stop-Loss-Preis
- 48,00 €
Ergebnis
- Zu kaufende Aktien
- 100
- Risikobetrag
- 200,00 €
Diese Zahlen stammen aus dem Rechner unten, sie sind nicht von Hand eingetragen — sie werden bei jeder Änderung des Tools neu berechnet.
Mit eigenen Zahlen nachrechnen →Häufige Fragen
- Ist 1 Prozent für alle die richtige Zahl?
- Es ist ein üblicher Ausgangspunkt, kein Gesetz. Trader mit langer Historie nutzen oft weniger, und die richtige Zahl hängt davon ab, wie oft deine Strategie in Serie verliert und welchen Rückgang du aushältst, ohne die Methode aufzugeben. Kennst du deine schlimmste Serie nicht, starte lieber niedriger als höher.
- Berechne ich die Größe nach jedem Trade neu?
- Ja, wenn du auf dem aktuellen Guthaben dimensionierst — das ist das Übliche: Positionen schrumpfen während einer Verlustserie automatisch und wachsen bei Erholung. Auf einem festen Startguthaben zu dimensionieren hält das Risiko in Euro konstant und damit prozentual steigend, während du verlierst — das Gegenteil des Gewollten.
- Wie hängt das mit dem Kelly-Kriterium zusammen?
- Kelly berechnet aus Trefferquote und Auszahlungsverhältnis den wachstumsoptimalen Anteil und liefert meist eine weit größere Zahl als 1 Prozent. In der Praxis setzt man die Hälfte oder ein Viertel davon, denn volles Kelly unterstellt, dass du deinen Vorteil exakt kennst — ein überschätzter Vorteil macht volles Kelly ruinös statt optimal.
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Dieser Artikel erklärt, wie eine Berechnung funktioniert. Er ist keine Anlageberatung. Gehebelter Handel und Mining können mehr kosten als den Einsatz, und vergangene Ergebnisse sagen nichts über künftige.
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